So, mittlerweile haben wir schon Donnerstag, den 21. Februar, ich habe mich eingeschrieben, wurde nach Maori-Tradition an der VUW empfangen, bin umgezogen, sitze nun in meinem Zimmer und denke mir, dass ich ein wenig zu den letzten Tagen schreiben sollte – los geht’s.
Die Einschreibung an der VUW (Victoria University of Wellington) ging glücklicherweise recht problemlos – einziger Knackpunkt: Anstelle der bezahlten $5.200 wollten sie plötzlich stolze $18.000 von mir haben, was den Gebühren für internationale Studenten entspricht. Aufgrund eines Abkommens zwischen Deutschland und Neuseeland (und Frankreich) müssen wir aber glücklicherweise nur die „domestic fees“, also dieselben Gebühren wie die Neuseeländer bezahlen. Ein paar Gespräche und ein paar Weiterleitungen an verschiedene Büros später war das Problem dann geklärt und ich musste lediglich $55 nachzahlen. Ein sehr guter Deal, was?
Später am selben Tag war dann eine Bustour für neue Studenten, die leider total langweilig war, da der Fahrer sich selbst am Lustigsten fand, viel zu eilig durch die Stadt gefahren ist und uninteressante Dinge erzählt hat. Deshalb bin ich im Anschluss mit Martine (einer Studentin aus dem frankophonen Teil Kanadas) auf den Mount Victoria gefahren, wo man einen phantastischen Blick auf Wellington und den Flughafen hat. Ich hab’ auch viele Fotos gemacht, die es alle im Album zu bewundern gibt.
Übrigens habe ich auf dem Weg hinunter in die Stadt vom Mount Victoria auch meine erste Begegnung mit einem Drehort des Herrn der Ringe gehabt!! Dieser wurde, wie nicht anders zu erwarten war, mit Wegmarkern ausgeschildert und nach einigem Suchen war man schließlich an genau dem Punkt im Wald, an welchem Frodo seine Kumpanen vor der Ankunft des Schwarzen Reiters warnt - sehr spannend! Und vor allem ein schönes Plätzchen!
Abends gab’s schließlich ein kostenloses Konzert am Wasser von einer Band aus Wellington namens „The Phoenix Foundation“ – ich würde mal sagen irgendwo zwischen Rock, Indie und Folk, aber gar nicht schlecht. Das Ambiente war jedenfalls klasse. Bier wird hier übrigens kaum öffentlich verkauft, wohl weil man an öffentlichen Plätzen kein Alkohol trinken darf. Also haben wir uns in einem Supermarkt einen 12er-Pack Bierdosen gekauft und diese zur Musik genossen.
Wirklich spannend wurde es dann am Freitag, als wir mit einem traditionellen Maori Zeremoniell (Powhiri – gesprochen: Pófiri) an der VUW willkommen geheißen wurden. Die Zeremonie fand im universitätseigenen Marae (das ist das traditionelle Haus der Marae – siehe Fotos) statt. Zunächst wird man draußen willkommen geheißen und wenn man in Frieden kommt (was wir natürlich sind), dann kann man das Haus betreten – die Männer im Hintergrund und die Frauen vorne. Mit dem Betreten des Marae begibt man sich vom Bereich der Götter des Krieges (draußen) in den Bereich der Götter des Friedens (drinnen). Links vom Eingang sitzen die „Stammesführer“ bzw. die hochrangigen Personen des Marae. Nachdem alle Platz genommen hatten begann schließlich der Sprecher der Stammesführer des Marae mit einer Rede (auf Maori), in welcher wir und vor allem auch unsere Vorfahren im Marae und im Stamm willkommen geheißen wurden. Die Vorfahren spielen bei den Maori eine zentrale Rolle – sie werden besonders verehrt und demnach ist auch das Marae an sich komplett den Vorfahren gewidmet.
Wie man auf den Fotos sieht, sind die Wände rundherum mit Holzpanelen verziert, welche jeweils einen bestimmten Ahnen bzw. eine bestimmte Ahnenlinie repräsentieren. Es ist ein zentraler Glaube der Maori, dass man mit seinen Vorfahren lebt und durch das Leben geht, dass sie einen quasi begleiten.
Aber zurück zur Zeremonie – wir wurden also von dem Sprecher des Stammes willkommen geheißen („Haere mai“ bedeutet soviel wie „Sei willkommen“) und seine Rede wurde abgeschlossen mit einem Gesang der Stammesführer, dem so genannten Waiata.
Im Anschluss folge die Rede unseres Vertreters, also dem Maori-Vertreter, der repräsentativ für die neuen internationalen Studenten auf die Rede der Stammesführer antwortete. Natürlich auch auf Maori. Und im Anschluss daran – richtig – haben auch wir ein waiata gesungen, welches uns zuvor beigebracht wurde. Der Text ist auf einem der Fotos im Album zu sehen – also viel Spaß beim Singen :-)
Nachdem all die Formalitäten vorüber waren, wurde ein Teil von uns mit dem Hongi (dem Nasenkuss) willkommen geheißen – leider nicht alle aus der Gruppe, da es sonst viel zu lange gedauert hätte. Damit waren wir also alle formell im Stamm willkommen geheißen worden und die Leiterin des Marae, Te Ripowai Higgins, erklärte uns bestimmt eine Stunde lang die Geschichte des Marae sowie dessen Aufbau und die Hintergründe einer Vielzahl der Holzpanele an den Wänden. Demnach begann in den 1980er Jahren eine Gruppe von Maori-Studenten damit, eben diese Holzpanele zu schnitzen, da es ihr Traum war, ein eigenes Marae auf dem Universitätscampus zu besitzen – etwas, was es zu der Zeit an keiner Universität gab – aber ohne zu wissen, ob es ihnen gestattet werden würde. Glücklicherweise wurde ihr Vorhaben genehmigt und so konnte Mitte der 1980er das erste Marae an einer neuseeländischen Universität eingeweiht werden, mit dem Namen Te Herenga Waka (was, glaube ich, soviel heißt wie „Treffpunkt vieler Kulturen“).
Im Anschluss an die Zeremonie ist es traditionell üblich, dass alle neu willkommenen Mitglieder mit einem reichhaltigen Essen begrüßt werden – und natürlich hat mir das sehr gut gefallen! Es gab allerlei Kleinigkeiten zu essen und viele Früchte, so dass ich am Ende ordentlich gestärkt war. Dabei habe ich mich mit einer Frau unterhalten (Trish), die ab und zu in dem Marae aushilft und mir einiges über die Aktivitäten erzählt hat. Demnach sind wir nun alle, nach dem Powhiri, immer wieder herzlich im Marae willkommen – sei es bspw. um uns zu erholen oder um Mittag zu essen. Montags bis Freitags gibt’s dort nämlich für nur $4 ein reichhaltiges Mittagessen, welches ich garantiert in Anspruch nehmen werde!! Außerdem gibt es wohl auch Kurse zur Maori-Kultur etc. Da das Marae quasi direkt gegenüber von mir liegt (ich kann es von meinem Fenster aus sehen), werde ich da sicher des Öfteren hingehen.
Kommen wir zum Wochenende. Das einzig Interessante am Samstag waren die Festivitäten zum 10l. Geburtstag des „Te Papa“, dem neuseeländischen Museum direkt am Wasser gelegen. Dieses ist eines der modernsten Museen weltweit – jedenfalls rühmt es sich damit. Ich bin mit ein paar anderen internationalen Studenten dort gewesen und wir haben uns neben einem Hula-Workshop (in dem ich nicht mitgemacht habe) eine moderne Maori-Tanzgruppe angeschaut, die wirklich hervorragend war. Der traditionelle Maori-Kampftanz ist der Haka und diesen hat die Gruppe in verschiedensten Variationen und mit viel starkem und, vor allem, schönen Gesang modern interpretiert. Sehr sehr beeindruckend!
Am Sonntag stand schließlich – endlich! – der Umzug in meine neue Wohnung an. Um 10 Uhr kam also das Taxi, welches mich sämtliche Serpentinen aufwärts zum VUW Campus gefahren hat, von dem aus es nur wenige Minuten (aber trotzdem eine Reihe von Treppen) zur Wohnung ist. Ich habe wirklich Glück gehabt mit dem Zimmer – die Aussicht könnt ihr ja auf den Fotos bewundern, die Lage ist super und meine vier Flatmates sind alle sehr nett. Praktisch ist, dass alle gerne kochen – und Sam und Amy vor allem gern Asiatisch…also perfekt!
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| Mein Zimmer |
Da ich allerdings keine Bettwäsche hatte, musste ich noch mal runter in die Stadt wandern und mir mühsam das beste fürs wenigste Geld heraussuchen…schließlich habe ich für $110 (ca. 60EUR) alles zusammengekriegt – Decke, Kissen, Bezüge und Bettlaken. Ein guter Deal wie ich finde. Im Anschluss habe ich dann noch den kleinen Supermarkt hier um die Ecke aufgesucht, da meine Flatmates immer Samstags groß einkaufen gehen (Amy hat ein Auto) und ich dies verpasst habe, da ich ja Sonntag eingezogen bin. Auf dem Weg zum Supermarkt habe ich etwas ganz hervorragendes entdeckt – „An Original German Bakery“!! Wie original deutsche diese Bäckerei tatsächlich ist, wird sich noch herausstellen müssen, aber wenn ich glück habe, dürften damit meine Sorgen bezüglich monatelangem Toastbrotverzehr (wie in den USA) behoben sein.
Soo…jetzt wird es langsam zu lang. Diese Woche ist aber gar nicht viel passiert – ich war recht faul und habe das schöne Wetter mit einigen Wanderungen genossen und nebenbei noch einige Dinge erledigt (Bankonto eröffnet, Studentenausweis abgeholt etc.). Außerdem war ich Dienstag im botanischen Garten von Wellington, der ca. 5 Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt und sehr sehr schön ist. Ich habe natürlich auch direkt eine Vielzahl von Fotos gemacht, die es im Fotoalbum zu bewundern gibt!
Außerdem waren wir Dienstag Abend in einer Bar auf der Cuba Street (der zentralen Straße Wellingtons mit vielen Cafés und Bars), in welcher ein Konzert stattfand. War schneller Punkrock, also gar nicht meine Musik, aber dafür nur sehr kurz und doch ein wenig lustig zuzuschauen. Mittwoch hat mich der strahlend blaue Himmel schließlich noch mal auf den Mount Victoria gelockt, um mehr Fotos zu machen und noch mal die Wanderung runter in die Stadt zu genießen. Man wandelt da in der Tat wie auf den Spuren der Hobbits und fühlt sich ganz entspannt, wenn man unten ankommt. Praktischerweise passiert man auf dem Weg zurück nach Kelburn (dem Stadtteil, in dem ich lebe) den libanesischen Imbiss…


Was ich heute mache steht noch nicht genau fest. Nachher gibt’s eine kostenlose Führung durch eine Kunstgallerie hier auf dem Campus und danach werde ich mich eventuell in den botanischen Garten setzen und lesen – und abends vielleicht ein Bierchen trinken. Mal schauen. Bis dahin – viele Grüße und Adios!
P.S.: Hier noch schnell ein Bild vom Flughafen - ordentlich bremsen bitte!



