Dienstag – Arthur’s Pass im Regen
Am Dienstag kam glücklicherweise pünktlich um 10 Uhr (wie angekündigt) der Mechaniker mit unserem Ersatzwagen – von nun an sollten wir einen nagelneuen, dunkelsilbernen Lexus Combi fahren. Natürlich besser als die alte Karre zuvor, allerdings hatte der neue Wagen einen CD-Spieler integriert. Für den alten Wagen hatte ich jedoch extra einen Kassettenadapter erworben, so dass wir Musik von unseren MP3-Spielern hören konnten. Nun gut, das ging jetzt leider nicht mehr und somit waren wir auf neuseeländische Radiostationen angewiesen. Neuseeland ist ein kleines Land im Vergleich zu Deutschland oder gar den USA, aber trotzdem gibt es auch hier lange Strecken auf denen man durch keinerlei Ortschaften sondern lediglich entlang Bergen und durch einsame Täler fährt. Schön anzusehen, klar, aber das hat auch den Nebeneffekt, dass man für eine Stunde oder mehr auf den Radioempfang komplett verzichten muss… Aber wir wollten uns ja nicht beschweren und schließlich war der Fahrkomfort im neuen Wagen doch erheblich besser als in der alten Kiste – vor allem angesichts der vielen Serpentinen und steilen Strecken, die wir noch passieren sollten.
Mit dem neuen Wagen sind wir dann ruckzuck losgefahren, nordwärts in Richtung Arthur’s Pass – einem Nationalpark in der Mitte der nördlichen Hälfte der Südinsel.
Zwischendurch legten wir eine kurze Rast ein - hier ist unser neues Gefährt zu sehen:
Leider war uns nach einiger Zeit das Wetter nicht mehr allzu hold: Es find an zu nieseln und einige Zeit später steigerte sich das Ganze dann zu einem prächtigen Regen.
Am Anfang des Nationalparks ist ein See gelegen, der Lake Pearson. Dort angekommen hatten wir endlich wieder etwas Glück – der Regen hatte nachgelassen und wir konnten eine Rast einlegen. Neben Äpfeln und Müsliriegeln habe ich selbstverständlich wieder meine Kamera gezückt:
Hier der offizielle Beginn des Nationalparks:
Über den Hügeln rechts kann man einen schwachen Regenbogen sehen:

Glücklicherweise hielt sich das Wetter bis zu unserer Ankunft im Arthur’s Pass Village. Zwar konnten wir aufgrund unseres Pannentags am Montag und Monika’s Erkrankung nicht die eigentlich geplante Wanderung machen – das war eine achtstündige Besteigung des Avalanche Peaks – aber es gab einige kürzere Strecken zu erkunden. So z.B. die Devil Punchballs Falls, ein über 100m hoher Wasserfall. Der Weg dorthin dauerte nur ca. eine dreiviertel Stunde und führte uns durch eine Art kleinen Regenwald, der, nach den Regengüssen des Tages, umso verregneter aussah:
Highlight war dann natürlich der Wasserfall selbst – hier ein paar Fotos:
Zurück im Hostel hab’ ich mir dann einen leckeren Lachs-Gemüse-Auflauf gemacht und mich mit einem Pärchen aus Schottland unterhalten, die übrigens mittlerweile auch in Wellington sind und mit denen ich mich nächste Woche auf ein Bierchen treffen werde.
Mittwoch und Donnerstag – Verregnet zum Abel Tasman
Nach dem Arthur’s Pass ging’s dann zum Abel Tasman Nationalpark – an sich eines der sonnigsten Fleckchen Neuseelands. Uns allerdings wurde die Ehre zuteil ein ganz anderes Gesicht dieses Nationalparks kennenzulernen: und zwar im strömenden Regen…
Schon die Fahrt war…naja, man könnte sagen: spannend. Vor allem in den bergigen Nationalparks gibt es eine ganze Menge Einbahnbrücken – also, solche Brücken, vor denen man entweder warten muss, weil sich grad jemand aus der Gegenrichtung überquert oder die man selbst hurtigst überquert. Die diese Brücken recht eng gezimmert sind, ist es nicht gerade ein großer Spaß drüber zu fahren…aber nach dutzenden solcher Überquerungen hatte ich mich schließlich dran gewöhnt.
Außerdem haben die Neuseeländer besonders interessante Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich hatte ja bereits von den serpentinenlastigen Straßen erzählt, auf denen ich mich mit meinen 30-40 km/h schon wagemutig fühlte. Nun ja, die Geschwindigkeitsbegrenzung schien mir aber geradewegs ins Gesicht zu lachen, denn was stand darauf: 100 (!!) km/h, und das direkt vor den besagten Serpentinen. Ich hab’ mich davon allerdings selbstverständlich nicht verlocken lassen…ganz zum Unmut der Neuseeländer in ihren Wagen hinter mir, welche ich diverse Male an mir vorbeilassen musste.
An einer der bereits erwähnten Einbahnbrücken haben wir schließlich gesehen was passieren kann, wenn man die 100 km/h doch als optimale Geschwindigkeit akzeptiert: ein Wagen hatte sich einmal komplett überschlagen und war passgenau zwischen zwei Felswände geflogen. Da noch diverse Autoteile auf der Fahrbahn lagen, musste das kurz vor unserer Ankunft passiert sein. Wir sind jedenfalls schnell angehalten und ausgestiegen. Tatsächlich war noch eine Frau in dem Wagen, die mit etwas Hilfe aber problemlos aussteigen und sich auf den Beinen halten konnte – ein paar Kratzer im Gesicht und etwas schwindelig, aber ansonsten schien es ihr (zumindest von außen betrachtet) gut zu gehen. Mittlerweile waren auch andere Autos angehalten und ein Mann hatte den Rettungswagen gerufen. Monika und ich konnten also weiterfahren.
Je weiter gen Norden wir kamen, desto mehr und vor allem desto stärker regnete es – vor allem das letzte Stück nach Marahau, einem kleinen Örtchen direkt am Strand des Abel Tasman Nationalparks, mussten wir quasi im Schritttempo fahren, da durch den Regen hindurch kaum etwas zu erkennen war.
Glücklicherweise ließ der Regen am Donnerstag nach – es blieb zwar bewölkt, aber zumindest konnten wir ein wenig durch den Park wandern. Gegen 9 Uhr sind wir mit einem „Water Taxi“ bis zur Bark Bay gefahren und haben uns von dort aus gen Süden zurück nach Marahau gemacht.

Die Buchten des Abel Tasman sind vor allem bei schönem Wetter grandios – weißer, feiner Sandstrand und türkisblaues Wasser. Dank des Wetters war der Strand für uns leider nass und klumpig und das Wasser rötlich, braun…na ja, aber wie die Fotos zeigen, kann man zumindest das Potential des Parks bei schönem Wetter erahnen.

Übrigens gab's auch hier Hängebrücken:
In einigen der Buchten stehen Ferienhäuser – das mag verwundern, da es sich ja um einen geschützten Nationalpark handelt, aber in den 1930er oder 1940er Jahren hat die neuseeländische Regierung Teile des Landes an Privatleute verkauft und erst in den 1950ern wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Einige der Landstücke konnten zurück gekauft werden, aber mittlerweile könnte es sich die Regierung schlichtweg nicht leisten, die restlichen Grundstücke abzukaufen. Die Preise einiger der Häuser erklären warum: z.B. hat uns der Fahrer des Water Taxis, das uns zur Bark Bay brachte, auf dem Weg dorthin ein Haus gezeigt, welches ganz alleine in einer malerischen Bucht liegt und welches er als Makler zu verkaufen versucht – der Preis liegt nur bei 14 Millionen neuseeländischen Dollar, das sind ca. 7 Millionen Euro. Also, falls von euch jemand Interesse haben sollte, ich kann euch die Kontaktdaten geben…
Aber zurück zur Wanderung – die Buchten waren schön, sie gesagt und gesehen, aber das relativ lange Endstück bis zurück nach Marahau zieht sich ewig lang durch einen Wald. Auch dieser Wald ist schön anzusehen, aber nach ca. 2 Stunden hat man spätestens alles gesehen, so dass die dritte Stunde ein wenig nervig war… das mag aber auch am Wetter gelegen haben, denn aus der Ferne sahen wir bereits wieder dunkle Regenwolken herannahen und ein leichter Nieselregen ließ uns noch schneller vorangehen…so dass wir am Ende schließlich fix und fertig im Hostel angekommen sind und ich nach einem schnellen Abendessen prompt ins Bett geplumpst bin.
Freitag und Samstag – Nelson, der Polizist und die Fähre
Freitag ging es für uns weiter nach Nelson – einem schönen Örtchen im Norden der Südinsel und, wie sich herausstellen sollte, ein Anziehungspunkt für deutsche Auswanderer nach Neuseeland. In Nelson angekommen musste ich leider feststellen, dass ich meine Sandalen in Marahau vergessen hatte – kurz durchgerechnet erschien es mir günstiger, zurückzufahren als mir in Wellington neue zu kaufen. Gemacht getan – Monika blieb in Nelson und ich genoss weitere zweieinhalb Stunden im Auto.
Am Abend lag schließlich ein lange geplantes Wiedersehen an, und zwar mit Anke, einer ehemaligen Lehrerin an meiner „Zivi-Schule“ in Quickborn, die nun mit ihrer Familie in Nelson lebt. Es war quasi perfektes Timing meinerseits, denn Anke und Familie hatten für den Abend ein großes Grillen mit Freunden geplant – alles deutsche Auswanderer, wie sich herausstellte, aber sehr lustig und vor allem lecker! Beim Einkaufen für das Grillen habe ich übrigens festgestellt, dass eingelegte Lammfilets hier um einiges günstiger sind als stinknormales Hühnchenbrustfilet…
So, nun geht es auch schon dem Ende zu: Samstagfrüh verabschiedete sich Monika – sie hatte sich mit anderen Freunden für einen weiteren Ausflug auf der Südinsel verabredet, während für mich Samstagabend bereits die Fähre zurück nach Wellington wartete. Mittags traf ich mich aber noch kurz mit Anke auf dem Nelsoner Markt – und zwar, wo auch anders, am deutschen Würstchenstand. Gut gestärkt – nicht von Würstchen, aber von diversen Kuchen, die es an anderen Ständen zu kaufen gab – habe ich mich nachmittags schließlich auf den Weg nach Picton gemacht, von wo aus die Fähre abfuhr. Der Weg war wieder reichlich kurvig und voll von mehr oder minder sinnlosen, um nicht zu sagen fahrlässigen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der „Highway“ – eine normale Landstraße – führte durch diverse kleine Ortschaften, in denen man anstatt der 100 km/h nur noch 60-70 km/h fahren durfte, wobei Anfang und Ende der Ortschaften nicht immer klar zu erkennen waren. Dies wurde mir schließlich auch zum „Verhängnis“: in einem der Orte tauchte kurz nach einer Begrenzung auf 60 km/h eine zweite Begrenzung auf, von der ich meinte, dass es wieder die üblichen 100 km/h des Highways waren. Ein Polizist auf einem Parkplatz wenige Meter später sah dies leider nicht so: Er winkte mich herüber und erklärte mir, dass ich zu schnell gewesen sei – all mein deutsch-bulgarischer Charme nutze nix: ich bekam mein erstes (und hoffentlich letztes) „speeding ticket“ in Neuseeland…17 km/h zu schnell war ich, was mich $120 kostete…autsch…
Zum Glück verlief der Restweg bis nach Picton problemlos. Der Wagen war schnell abgegeben und dann musste ich nur noch auf die Fähre warten. Die Fährfahrt nach Wellington dauert ca, 3 Stunden und führt über ein Stückchen offene See: die „Cook Strait“ zwischen der Nord- und Südinsel. Aufgrund dessen kann die Fahrt mitunter auch recht holprig sein – und das war sie auch. Die Fähre war ein wirklich gigantisches Schiff, aber kaum war sie auf offener See, wurde sie vom Meer hoch gestoßen und krachte wieder hinunter aufs Wasser wie eine kleine Barke. Mir hat’s nicht viel ausgemacht, da ich mit meinem MP3-Player vor mich hindöste. Drei Stunden später war ich dann aber doch froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
So, hier endet mein Reisebericht von der Südinsel. Das letzte Stück ist nicht ansatzweise so spektakulär wie der Anfang…das lag aber an dem leider wechselhaften Wetter. Im nächsten Sommer hier (also ab November) werde ich dem Abel Tasman Nationalpark eine zweite Chance geben und euch dann hoffentlich mit Fotos von palmigen Buchten unter sonnigem Himmel neidisch machen können!
Nun soll’s das aber erstmal von mir gewesen sein.
Gruß aus Wellington!





















