Mittwoch, 21. Mai 2008

Der Reisebericht - Teil 2

Nach zehn Tagen Stille kommt hier der zweite Teil meines Reiseberichts von der Südinsel. Er ist nicht so spektakulär wie der erste, da das Wetter leider schlechter wurde, aber lest selbt:

Dienstag – Arthur’s Pass im Regen

Am Dienstag kam glücklicherweise pünktlich um 10 Uhr (wie angekündigt) der Mechaniker mit unserem Ersatzwagen – von nun an sollten wir einen nagelneuen, dunkelsilbernen Lexus Combi fahren. Natürlich besser als die alte Karre zuvor, allerdings hatte der neue Wagen einen CD-Spieler integriert. Für den alten Wagen hatte ich jedoch extra einen Kassettenadapter erworben, so dass wir Musik von unseren MP3-Spielern hören konnten. Nun gut, das ging jetzt leider nicht mehr und somit waren wir auf neuseeländische Radiostationen angewiesen. Neuseeland ist ein kleines Land im Vergleich zu Deutschland oder gar den USA, aber trotzdem gibt es auch hier lange Strecken auf denen man durch keinerlei Ortschaften sondern lediglich entlang Bergen und durch einsame Täler fährt. Schön anzusehen, klar, aber das hat auch den Nebeneffekt, dass man für eine Stunde oder mehr auf den Radioempfang komplett verzichten muss… Aber wir wollten uns ja nicht beschweren und schließlich war der Fahrkomfort im neuen Wagen doch erheblich besser als in der alten Kiste – vor allem angesichts der vielen Serpentinen und steilen Strecken, die wir noch passieren sollten.

Mit dem neuen Wagen sind wir dann ruckzuck losgefahren, nordwärts in Richtung Arthur’s Pass – einem Nationalpark in der Mitte der nördlichen Hälfte der Südinsel.
Zwischendurch legten wir eine kurze Rast ein - hier ist unser neues Gefährt zu sehen:



Leider war uns nach einiger Zeit das Wetter nicht mehr allzu hold: Es find an zu nieseln und einige Zeit später steigerte sich das Ganze dann zu einem prächtigen Regen.
Am Anfang des Nationalparks ist ein See gelegen, der Lake Pearson. Dort angekommen hatten wir endlich wieder etwas Glück – der Regen hatte nachgelassen und wir konnten eine Rast einlegen. Neben Äpfeln und Müsliriegeln habe ich selbstverständlich wieder meine Kamera gezückt:



Hier der offizielle Beginn des Nationalparks:



Über den Hügeln rechts kann man einen schwachen Regenbogen sehen:



Glücklicherweise hielt sich das Wetter bis zu unserer Ankunft im Arthur’s Pass Village. Zwar konnten wir aufgrund unseres Pannentags am Montag und Monika’s Erkrankung nicht die eigentlich geplante Wanderung machen – das war eine achtstündige Besteigung des Avalanche Peaks – aber es gab einige kürzere Strecken zu erkunden. So z.B. die Devil Punchballs Falls, ein über 100m hoher Wasserfall. Der Weg dorthin dauerte nur ca. eine dreiviertel Stunde und führte uns durch eine Art kleinen Regenwald, der, nach den Regengüssen des Tages, umso verregneter aussah:





Highlight war dann natürlich der Wasserfall selbst – hier ein paar Fotos:





Zurück im Hostel hab’ ich mir dann einen leckeren Lachs-Gemüse-Auflauf gemacht und mich mit einem Pärchen aus Schottland unterhalten, die übrigens mittlerweile auch in Wellington sind und mit denen ich mich nächste Woche auf ein Bierchen treffen werde.

Mittwoch und Donnerstag – Verregnet zum Abel Tasman

Nach dem Arthur’s Pass ging’s dann zum Abel Tasman Nationalpark – an sich eines der sonnigsten Fleckchen Neuseelands. Uns allerdings wurde die Ehre zuteil ein ganz anderes Gesicht dieses Nationalparks kennenzulernen: und zwar im strömenden Regen…
Schon die Fahrt war…naja, man könnte sagen: spannend. Vor allem in den bergigen Nationalparks gibt es eine ganze Menge Einbahnbrücken – also, solche Brücken, vor denen man entweder warten muss, weil sich grad jemand aus der Gegenrichtung überquert oder die man selbst hurtigst überquert. Die diese Brücken recht eng gezimmert sind, ist es nicht gerade ein großer Spaß drüber zu fahren…aber nach dutzenden solcher Überquerungen hatte ich mich schließlich dran gewöhnt.

Außerdem haben die Neuseeländer besonders interessante Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich hatte ja bereits von den serpentinenlastigen Straßen erzählt, auf denen ich mich mit meinen 30-40 km/h schon wagemutig fühlte. Nun ja, die Geschwindigkeitsbegrenzung schien mir aber geradewegs ins Gesicht zu lachen, denn was stand darauf: 100 (!!) km/h, und das direkt vor den besagten Serpentinen. Ich hab’ mich davon allerdings selbstverständlich nicht verlocken lassen…ganz zum Unmut der Neuseeländer in ihren Wagen hinter mir, welche ich diverse Male an mir vorbeilassen musste.
An einer der bereits erwähnten Einbahnbrücken haben wir schließlich gesehen was passieren kann, wenn man die 100 km/h doch als optimale Geschwindigkeit akzeptiert: ein Wagen hatte sich einmal komplett überschlagen und war passgenau zwischen zwei Felswände geflogen. Da noch diverse Autoteile auf der Fahrbahn lagen, musste das kurz vor unserer Ankunft passiert sein. Wir sind jedenfalls schnell angehalten und ausgestiegen. Tatsächlich war noch eine Frau in dem Wagen, die mit etwas Hilfe aber problemlos aussteigen und sich auf den Beinen halten konnte – ein paar Kratzer im Gesicht und etwas schwindelig, aber ansonsten schien es ihr (zumindest von außen betrachtet) gut zu gehen. Mittlerweile waren auch andere Autos angehalten und ein Mann hatte den Rettungswagen gerufen. Monika und ich konnten also weiterfahren.

Je weiter gen Norden wir kamen, desto mehr und vor allem desto stärker regnete es – vor allem das letzte Stück nach Marahau, einem kleinen Örtchen direkt am Strand des Abel Tasman Nationalparks, mussten wir quasi im Schritttempo fahren, da durch den Regen hindurch kaum etwas zu erkennen war.
Glücklicherweise ließ der Regen am Donnerstag nach – es blieb zwar bewölkt, aber zumindest konnten wir ein wenig durch den Park wandern. Gegen 9 Uhr sind wir mit einem „Water Taxi“ bis zur Bark Bay gefahren und haben uns von dort aus gen Süden zurück nach Marahau gemacht.





Die Buchten des Abel Tasman sind vor allem bei schönem Wetter grandios – weißer, feiner Sandstrand und türkisblaues Wasser. Dank des Wetters war der Strand für uns leider nass und klumpig und das Wasser rötlich, braun…na ja, aber wie die Fotos zeigen, kann man zumindest das Potential des Parks bei schönem Wetter erahnen.





Übrigens gab's auch hier Hängebrücken:



In einigen der Buchten stehen Ferienhäuser – das mag verwundern, da es sich ja um einen geschützten Nationalpark handelt, aber in den 1930er oder 1940er Jahren hat die neuseeländische Regierung Teile des Landes an Privatleute verkauft und erst in den 1950ern wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Einige der Landstücke konnten zurück gekauft werden, aber mittlerweile könnte es sich die Regierung schlichtweg nicht leisten, die restlichen Grundstücke abzukaufen. Die Preise einiger der Häuser erklären warum: z.B. hat uns der Fahrer des Water Taxis, das uns zur Bark Bay brachte, auf dem Weg dorthin ein Haus gezeigt, welches ganz alleine in einer malerischen Bucht liegt und welches er als Makler zu verkaufen versucht – der Preis liegt nur bei 14 Millionen neuseeländischen Dollar, das sind ca. 7 Millionen Euro. Also, falls von euch jemand Interesse haben sollte, ich kann euch die Kontaktdaten geben…



Aber zurück zur Wanderung – die Buchten waren schön, sie gesagt und gesehen, aber das relativ lange Endstück bis zurück nach Marahau zieht sich ewig lang durch einen Wald. Auch dieser Wald ist schön anzusehen, aber nach ca. 2 Stunden hat man spätestens alles gesehen, so dass die dritte Stunde ein wenig nervig war… das mag aber auch am Wetter gelegen haben, denn aus der Ferne sahen wir bereits wieder dunkle Regenwolken herannahen und ein leichter Nieselregen ließ uns noch schneller vorangehen…so dass wir am Ende schließlich fix und fertig im Hostel angekommen sind und ich nach einem schnellen Abendessen prompt ins Bett geplumpst bin.

Freitag und Samstag – Nelson, der Polizist und die Fähre

Freitag ging es für uns weiter nach Nelson – einem schönen Örtchen im Norden der Südinsel und, wie sich herausstellen sollte, ein Anziehungspunkt für deutsche Auswanderer nach Neuseeland. In Nelson angekommen musste ich leider feststellen, dass ich meine Sandalen in Marahau vergessen hatte – kurz durchgerechnet erschien es mir günstiger, zurückzufahren als mir in Wellington neue zu kaufen. Gemacht getan – Monika blieb in Nelson und ich genoss weitere zweieinhalb Stunden im Auto.
Am Abend lag schließlich ein lange geplantes Wiedersehen an, und zwar mit Anke, einer ehemaligen Lehrerin an meiner „Zivi-Schule“ in Quickborn, die nun mit ihrer Familie in Nelson lebt. Es war quasi perfektes Timing meinerseits, denn Anke und Familie hatten für den Abend ein großes Grillen mit Freunden geplant – alles deutsche Auswanderer, wie sich herausstellte, aber sehr lustig und vor allem lecker! Beim Einkaufen für das Grillen habe ich übrigens festgestellt, dass eingelegte Lammfilets hier um einiges günstiger sind als stinknormales Hühnchenbrustfilet…

So, nun geht es auch schon dem Ende zu: Samstagfrüh verabschiedete sich Monika – sie hatte sich mit anderen Freunden für einen weiteren Ausflug auf der Südinsel verabredet, während für mich Samstagabend bereits die Fähre zurück nach Wellington wartete. Mittags traf ich mich aber noch kurz mit Anke auf dem Nelsoner Markt – und zwar, wo auch anders, am deutschen Würstchenstand. Gut gestärkt – nicht von Würstchen, aber von diversen Kuchen, die es an anderen Ständen zu kaufen gab – habe ich mich nachmittags schließlich auf den Weg nach Picton gemacht, von wo aus die Fähre abfuhr. Der Weg war wieder reichlich kurvig und voll von mehr oder minder sinnlosen, um nicht zu sagen fahrlässigen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der „Highway“ – eine normale Landstraße – führte durch diverse kleine Ortschaften, in denen man anstatt der 100 km/h nur noch 60-70 km/h fahren durfte, wobei Anfang und Ende der Ortschaften nicht immer klar zu erkennen waren. Dies wurde mir schließlich auch zum „Verhängnis“: in einem der Orte tauchte kurz nach einer Begrenzung auf 60 km/h eine zweite Begrenzung auf, von der ich meinte, dass es wieder die üblichen 100 km/h des Highways waren. Ein Polizist auf einem Parkplatz wenige Meter später sah dies leider nicht so: Er winkte mich herüber und erklärte mir, dass ich zu schnell gewesen sei – all mein deutsch-bulgarischer Charme nutze nix: ich bekam mein erstes (und hoffentlich letztes) „speeding ticket“ in Neuseeland…17 km/h zu schnell war ich, was mich $120 kostete…autsch…

Zum Glück verlief der Restweg bis nach Picton problemlos. Der Wagen war schnell abgegeben und dann musste ich nur noch auf die Fähre warten. Die Fährfahrt nach Wellington dauert ca, 3 Stunden und führt über ein Stückchen offene See: die „Cook Strait“ zwischen der Nord- und Südinsel. Aufgrund dessen kann die Fahrt mitunter auch recht holprig sein – und das war sie auch. Die Fähre war ein wirklich gigantisches Schiff, aber kaum war sie auf offener See, wurde sie vom Meer hoch gestoßen und krachte wieder hinunter aufs Wasser wie eine kleine Barke. Mir hat’s nicht viel ausgemacht, da ich mit meinem MP3-Player vor mich hindöste. Drei Stunden später war ich dann aber doch froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

So, hier endet mein Reisebericht von der Südinsel. Das letzte Stück ist nicht ansatzweise so spektakulär wie der Anfang…das lag aber an dem leider wechselhaften Wetter. Im nächsten Sommer hier (also ab November) werde ich dem Abel Tasman Nationalpark eine zweite Chance geben und euch dann hoffentlich mit Fotos von palmigen Buchten unter sonnigem Himmel neidisch machen können!

Nun soll’s das aber erstmal von mir gewesen sein.

Gruß aus Wellington!

Samstag, 10. Mai 2008

Der schöne Libanon

Der Rest des Reiseberichts ist langsam am Wachsen, aber momentan beschäftigt mich etwas anderes viel mehr: der jüngste Konflikt im Libanon bzw. in der Hauptstadt Beirut.

Wie die meisten von euch ja wissen, war ich letztes Jahr für ca. 3 Wochen als Teilnehmer des Austauschs "Who 'Are' I - Identitäten in einer globalisierten Welt" in Jordanien und im Libanon. Seitdem habe ich ein sehr großes Interesses am Nahen Osten und insbesondere am Libanon. Das Land hat mich in seinen Bann gezogen! Der offizielle Teil des Austauschs hat nur 4 Tage in Beirut stattgefunden - die restlichen 5 Tage habe ich bei einem Freund, Maroun, gewohnt und mit ihm noch mehr vom Libanon entdecken haben können.

Nach dem Austauch habe ich nicht nur Freundschaften in Jordanien, sondern eben vor allem auch sehr gute Freundschaften im Libanon geschlossen - darum besorgt mich die jetzige Eskalation der Ausschreitungen dort nun natürlich umso mehr. Maroun lebt mit seiner Familie in einem kleineren Vorort nördlich von Beirut und ist von der Situation kaum bis gar nicht betroffen - lediglich die Uni fällt zur Zeit aus. Aber zwei andere Freundinnen und ein Freund leben in Beirut, zwei davon in West-Beirut, also dem vornehmlich muslimischen Teil der Hauptstadt, in welchem der Großteil der Ausschreitungen stattgefunden hat. Ihnen allen geht es zum Glück soweit gut - aber die Situation ist für alle extrem frustrierend und schafft Unsicherheit, ob das Land in einen neuen Bürgerkrieg versinkt oder nicht.

Meine Meinung ist, dass das unwahrscheinlich ist - vor allem die ältere Generation weiß noch sehr genau, was der Bürgerkrieg von 1975-1990 bedeutet hat und dass ein erneutes Aufkeimen eines solchen Krieges allen Seiten, egal ob Regierung oder Opposition, extrem schaden würde. Zudem appellieren die Regierungsparteien (Vertreter der Sunniten, Druzen und dem Großteil der Maroniten) an ihre Mitglieder, sich nicht zu Gewalt provozieren zu lassen. Solange der Konflikt nicht zu massiven Kämpfen zwischen allen Lagern anwächst, ist auch das Ausbrechen eines Bürgerkriegs unwahrscheinlich.

Trotzdem ist die Regierung in einer verzwickten Lage: Der Konflikt wurde ausgelöst durch die Ankündigung der Regierung, gegen das private (und dadurch illegale) Telekommunikationsnetzwerk der Hisbollah vorzugehen. Außerdem wurde der Chef der Sicherheitsabteilung des Beiruter Flughafens gefeuert aufgrund seiner Verbindungen zur Hisbollah. Warum vor allem Letzteres ganz besonders prekär ist für die Hisbollah benötigt einiger Erklärung: Die Hisbollah hat ein enormes Waffenarsenal - größer als das der libanesischen Armee. Jedoch ist sie, was dieses Arsenal angeht, abhängig von Lieferungen aus Syrien und dem Iran. Diese Lieferungen erfolgen entweder über die Landgrenzen zu Syrien oder, dank der Unterstützung des besagten Sicherheitschefs, über den Flughafen. Nun ist Syrien jedoch seit einiger Zeit mit Israel am "flirten": Präsident Assad scheint ernsthaft zu erwägen, die Golanhöhen gegen einen Stopp der Kooperation mit der Hisbollah einzutauschen. Sollte es dazu kommen, wäre die Hisbollah ausschließlich auf die Waffenlieferungen über den Flughafen angewiesen. Aber mit der Feuerung des Sicherheitschefs ist auch dieser "Weg" in Gefahr... Die heftige Reaktion der Hisbollah kann man also als eine, wenn auch heftige Panikreaktion auf die jüngsten Entscheidungen der Regierung sehen. Die Frage bleibt nun, wie die Regierung auf die Provokation durch die Hisbollah nun reagiert - ein Zurückziehen der Entscheidungen steht außer Frage...bleibt abzuwarten, was die Alternative sein wird.

So, das ist nun aber genug an libanesischer Politik. Die Nachrichten zeigen in diesen Tagen nur brennende Autos und Häuser aus Beirut, dass man den Eindruck bekommen könnte, dass der Libanon der nächste Irak oder das nächste Afghanistan wäre - dem ist aber ganz und gar nicht so. Während meiner Zeit im Libanon, habe ich viele schöne Seiten des Landes kennengelernt - neben der Landschaft natürlich allem voran auch das Essen!! Und auch die Menschen im Libanon sind nicht einfach religiös zerstrittene Fanatiker, die nun anfangen, sich abzuschießen - das ist das Bild der Medien. Nein, die Libanesen wie ich sie kennengelernt habe sind kreativ, weltoffen, modern, neugierig und lebensfroh.

Um den Bildern aus den Medien ein wenig entgegenzuwirken zeige ich euch zum Abschluss noch einige meiner Bilder aus dem Libanon vom letzten Jahr.

Die "Corniche" - Beiruts Promenade am Mittelmeer:





Inmitten der Stadt - Betonbauten, aber mit Flagge:



Vom Dach des Hauses von Soha werfen wir einen Blick auf Beirut von oben:



Das Zentrum Beiruts - die Hariri-Moschee:



Und der zentrale Place d'Étoile mit dem Parlament im Hintergrund - dort versuchen die Parlamentarier bereits seit November letzten Jahres, einen Präsidenten zu wählen...



Am Berghang im Hintergrund seht ihr die Stadt Bsharri - vornehmlich christlich maronitisch kommen hier nicht nur Maroun und seine Familie her, sondern auch der berühmte libanesische Dichter Khalil Gibran:



Und hier die Silhouette von Bsharri:



Auf dem Weg von Bsharri zurück nach Beirut haben wir diesen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen:



Und zu guter Letzt: Bilder aus dem Zedernwald in der Nähe Bsharris. Einige dieser Bäume sind über tausend Jahre alt - ja, das sind die Zedern, wie sie sogar in der Bibel erwähnt sind!!





Maroun und ich im Zedernwald:

Montag, 5. Mai 2008

Endlich - Der Reisebericht - Teil 1

So, mein Reisebericht ist nun ja schon lange fällig…tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Die zweite Ferienwoche war ich faul und die erste Woche zurück an der Uni musste ich an einem Essay arbeiten – deshalb erst jetzt endlich wieder ein Eintrag im Blog. Also, dann fange ich mal direkt mit dem Reisebericht von vorne an – viel Spaß beim Lesen!

Samstag – Ankunft in Christchurch und Fahrt zum Mt. Cook

Um 4.30 Uhr morgens (!!) hat mein Wecker geklingelt – in aller Herrgottsfrühe also, aber immerhin ging der Flieger um zehn vor Sieben, also mussten Monika und ich gegen 6 Uhr am Flughafen sein. Zum Glück war der Taxifahrer pünktlich um viertel vor Sechs da, doch leider hat Monika gefehlt. Also sind wir ihr schon mal ein wenig entgegen gefahren und wenige Minuten später kam auch schon eine SMS: Sie hat verschlafen und würde in fünf Minuten da sein. Wie sich später herausstellte, hatte sie gar nicht verschlafen, sondern ihr Wecker war einfach nicht angegangen und sie ist durch Zufall um halb Sechs aufgewacht – ein Glück! So sind wir also mit nur ein paar Minuten Verspätung, aber immer noch früh genug für den Flug, losgefahren durch die leergefegten Straßen Wellingtons.

Am Flughafen angekommen haben wir dann schnell eingecheckt – unsere Sitzplätze hatten wir schon per Internet gebucht, also mussten wir nur noch die Taschen abgeben. Der Mann am Schalter hat nur einen kurzen Blick auf mein Ticket geworfen und unser Gepäck angenommen. Ist euch aufgefallen, was gefehlt hat? Ja genau: Er hat überhaupt nicht nach unseren Reisepässen gefragt! Tja, hier vertrauen Sie einem scheinbar, jedenfalls solange man nur im Inland umher fliegt. Auch auf dem Weg zum und ins Flugzeug wurden nur die Tickets, nie aber irgendeine Art der Identifizierung von uns verlangt.

Der Flug nach Christchurch war kurz und leider konnte man nicht viel sehen, da wir bereits nach ein paar Minuten nur noch eine Wolkendecke unter uns hatten, die den Blick auf die Südinsel verdeckte. Nach einer Stunde sind wir also gelandet, hatten ruckzuck unser Gepäck und haben direkt bei der Autovermietung angerufen, die uns dann per Van abgeholt haben – was für ein Service! Übrigens können Freunde und Verwandte an den Flughäfen hier direkt bis zum Gate vordringen, um die Ankommenden zu begrüßen – nicht wie in Deutschland oder gar den USA, wo man wahrscheinlich direkt abgeschossen oder zumindest verhaftet wird, wenn man auch nur versucht, sich als Nicht-Passagier irgendeinem Gate zu nähren. Nicht dass das bei den ganzen Sicherheitskontrollen überhaupt möglich wäre…

Naja, jedenfalls hatten wir nach der Ankunft ruckzuck unseren Mietwagen und los konnte es gehen – meine erste Fahrt, mit dem Steuer auf der rechten Seite und dem Auto auf der linken Seite der Straße. Beim ersten Abbiegen nach rechts bin ich prompt auf der rechten Straßenseite gelandet – der sich rasant frontal von vorne nähernde Wagen und ein Hupen von hinten haben mich aber ruckzuck erinnern lassen, dass man hier ja auch der falschen, also linken Seite fährt. Und nach diesem kurzen Erlebnis war das Fahren auch kein Problem mehr.

In Christchurch selbst waren wir nur ganz kurz, um zu frühstücken. Auf der Suche nach einem Café habe ich diese interessante Statue entdeckt und natürlich sofort fotografisch festgehalten:



Gestärkt ging es dann los auf unsere Reise, 330km südwärts zum Mount Cook Nationalpark. Auf dem Weg erregte ein kleines Schild, dass in einen Schotterweg zeigte, unsere Aufmerksamkeit: "Hanging Rock Bridge" - Zur Brücke der hängenden Felsen also. Abenteuerlustig sind wir dem Schild gefolgt - allerdings wussten wir eine Stunde später, dass die "Hanging Rock Bridge" gar nix mit hängenden Felsen zutun hatte, sondern einfach nur der, wenn auch schön klingende Name, einer stinknormalen Brücke war...tja... Dafür war der erste richtige Stopp es wert, und war am Lake Tekapo mit wunderschöner Aussicht!





Der Mount Cook heißt offiziell seit einiger Zeit Aoraki (sein Maori-Name), aber die Leute nennen ihn aus Gewohnheit trotzdem Mount Cook. Dabei ist Aoraki viel passender, denn das bedeutet soviel wie „Wolkendurchbrecher“ und ein solcher ist er sicher, der höchste Berg Neuseelands! Auf unserer Fahrt konnten wir ihn nach ein paar Stunden dann auch sehen und sind prompt angehalten um Fotos zu machen. Vom Lake Pukaki hat man einen hervorragenden Blick auf Aoraki und wir hatten das Glück, genau beim Sonnenuntergang dort zu sein.







Den Rest des Weges zum Mount Cook Village wurde es dann dunkel – vom Sonnenuntergang bis zur kompletten Finsternis dauert’s vor allem im Süden Neuseelands gar nicht lange. Gegen 19 Uhr waren wir dann am Hostel angekommen, haben schnell etwas zu essen gemacht (Nudeln mit Thunfisch-Tomatensauce) und sind erschöpft sofort eingeschlafen. Zuvor haben wir aber noch unsere zwei Zimmernachbarn kennen gelernt: zwei Engländer, James und…mmh, Name vergessen, aber nett.

Sonntag – Wandern am Mt. Cook

Nach einer erholsamen Nacht und einem gemütlichen Frühstück mit Müsli, Banane und Instant-Kaffee sind wir auf unsere erste Wanderung auf der Südinsel aufgebrochen – bei strahlend blauem Himmel! Hier ein Foto von unserem Hostel:



Unsere erste Tour sollte der „Hooker Glacier Walk“ werden – eine ca. dreistündige Wanderung (hin- und zurück) zum Hooker-Gletscher und dem Hooker-See. Anfangs war es noch ein wenig frisch, aber nach den ersten paar hundert Metern lugte langsam die Sonne hinter den Bergen hervor und mein Pullover wurde um die Hüften gebunden.
In Neuseeland ist das Department of Conservation (kurz: DOC) für die Verwaltung und Pflege der Parks und Wanderwege zuständig. Insgesamt gibt es in ganz Neuseeland sicher dutzende, wenn nicht hunderte ein- bis mehrtägige Wanderungen und jede einzelne ist liebevoll durchdacht und markiert worden. So auch unsere Wanderung zum Hooker-See. Quer durch ein hügeliges Plateau und entlang eines Flusses ging es leicht bergauf. Den Fluss haben wir zweimal überquert, und zwar über so genannte „Swing-Bridges“ – hier ein Foto, dann wird klar, warum die Schwingbrücken genannt werden:







Ja, die schwingen, wenn man drüber läuft, in der Tat auf und ab, aber, wie ihr sehen könnt, sind die dermaßen stabil gebaut, dass es schon eines mittelmäßigen Tornados benötigt, um sich darauf wirklich unsicher zu fühlen. Trotzdem – für Leute mit Höhenangst dürfte es eine etwas schwindelerregende Angelegenheit sein…zum Glück sind’s aber nur zwei Brücken und wirklich lang sind sie ja nicht.





Nach ca. einer Stunde konnten wir schließlich dem Schatten eines kleineren Berges entweichen und endlich den Anblick Aorakis bewundern:





Bei dem Ausblick hat das letzte Stück zum Gletscher natürlich nicht mehr lange gedauert. Vor dem Hooker Gletscher hat sich, wie ich bereits geschrieben habe, der Hookersee gebildet. Die Eisschollen darauf lassen genau den richtigen Eindruck entstehen: Das Wasser ist nämlich in der Tat verdammt kalt! Und auch die Steine drum herum sind, trotz der Sonne, alles andere als warm gewesen. Also haben wir unsere Mittagspause halb sitzend und halb stehend verbracht – und ich bin sowieso die meiste Zeit umher gelaufen, um alles schön zu fotografieren.



In der Bildmitte rechts ist ein Teil des Gletschers zu sehen:



Auf dem Rückweg konnten wir es uns nicht nehmen lassen, noch ein wenig mit dem Wolkenbrecher im Hintergrund zu posieren und Fotos zu machen – hier bin ich!



Die Wanderung zum Hooker-Lake war aber nur eine von zwei Wanderungen, die wir für diesen Tag geplant hatten. Die zweite sollte uns zum „Sealey Tarns“ führen – was das bedeutet weiß ich nicht, aber es war eine kleine Grasfläche, ca. 400m über uns mit einem, so sagt man, schönen Ausblick aufs Tal und den Aoraki. Also haben wir den Weg natürlich in Angriff genommen, was sich allerdings nach der ersten Wanderung als ganz schön anstrengend herausstellte – geschätzte tausend Stufen und Unmengen von Schweißperlen später war ich schließlich oben angekommen, Monika war etwas langsamer, wollte allerdings nicht, dass ich auf sie warte. Auf halber Strecke war ich kurz davor, umzukehren, denn es war schon nachmittags und ich war stark am Zweifeln, ob sich die ganzen Anstrengungen überhaupt lohnen. Diese Aussicht hat mich dann aber doch dazu gebracht, auch das letzte Stück noch zu meistern:



Ganz rechts ist hier übrigens das Städtchen Mount Cook Village zu sehen:



Oben angekommen wurde ich dann prompt von einem Kea – einem neuseeländischen Bergpapagei begrüßt. Super, dachte ich, es hat sich also gelohnt, denn diese Vögel sieht nicht jeder!



„Sealey Tarns“ an sich war wenig spektakulär – wirklich nur eine Grasfläche mit Bank, aber dafür einem tollen Ausblick auf Aoraki und den Hooker-Gletscher darunter:





Und während ich dort oben munter ein Foto nach dem anderen schoss, machte ein ganzer Schwarm Keas mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam und…landete direkt neben der besagten Bank, von welcher aus ich am Fotografieren war!! Keine Frage, dass ich nun noch wilder als zuvor am Fotografieren war. Zwischenzeitlich war ein weiterer Wanderer angekommen, ein Israeli, dessen Namen ich vergessen habe, und der nun mit mir die Keas fotografierte. Fasziniert von den Vögeln wäre ich fast der Neugier eben dieser Viecher zum Opfer gefallen – denn plötzlich warnte mich der Israeli, dass einer der Vögel kurz davor war, an meinem auf dem Boden liegenden Rucksack zu knabbern. Zum Glück konnte ich ihn rechtzeitig von seinem Vorhaben abbringen.



Ja, neugierig sind sie – wie man mir später erzählte, knabbern Keas mit Vorliebe sämtliche Gummiteile von Windschutzscheiben und Scheibenwischern ab. Zum Glück konnte ich also meine Habseligkeiten in Sicherheit bringen! Hier aber nun noch einige Fotos von den schönen, wenn auch zu neugierigen Schnabeltieren:







Gegen halb fünf war es dann schließlich Zeit, dass wir uns auf den Weg nach unten machen, denn die Sonne war schon am Untergehen und es wurde merklich kälter. Also habe ich noch schnell Fotos vom Aoraki gemacht und runter ging es. Übrigens, schaut auch mal ganz genau das Eis auf der Spitze des Berges an – erkennt ihr das Gesicht?





Hier ein letztes - mit dem Mond in der Bildecke!



Zurück im Hostel hielt es uns nach dem Abendessen dann nicht mehr lange auf den Beinen. Allerdings haben wir noch schnell zu einer Apotheke fahren müssen, denn Monika hat sich, wohl auf den kalten Steinen am Hooker-See, eine Blasenentzündung eingefangen und war mächtig besorgt…also lag für den nächsten Morgen ein Besuch beim Arzt in der Nachbarstadt an…

Montag – Pannenfahrt

Der besagte Arzt hatte seine Praxis in Twizel, einer kleinen Ortschaft ca. eine Stunde entfernt vom Hostel und zum Glück halbwegs auf unserem Weg zum nächsten Ziel: dem Arthur’s Pass Nationalpark. Auf dem Weg nach Twizel musste ich für ein letztes Foto vom Aoraki anhalten:



Außerdem waren wir denselben Morgen noch schnell zu einem anderen ganz kurzen Wanderweg gefahren - in nur 20 Minuten hatte man einen schönen Ausblick auf den Tasman-Gletscher, quasi rechts vom Hooker-Gletscher. Der Aoraki lugt ganz oben links im Bild hinter dem Berg hervor:



Um 11.30 Uhr waren wir dann beim Arzt, konnten aber erst einen Termin für Monika um 14 Uhr kriegen. Also ging’s ins wenig spektakuläre Zentrum von Twizel, wo wir Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen konnten und, wie es der Zufall wollte, sogar ein paar Studenten aus Wellington getroffen haben.
Nach ein paar Minuten beim Arzt hatte Monika dann ihr Antibiotikum verschrieben gekriegt, wenig später auch von der Apotheke abgeholt und war zufrieden – zum Glück! Also konnte es weiter gehen Richtung Arthur’s Pass.

Nur eine Stunde später hatten wir gerade die kleine Ortschaft Fairlie durchquert, als der Wagen plötzlich anfing, seltsame Geräusche von sich zu geben: woop, woop, woop. Als die Geräusche anstatt aufzuhören immer lauter wurden, sind wir zurück nach Failie gefahren und haben zum Glück auch eine Werkstatt gefunden. Während einer der zwei Mechaniker den Wagen für eine halbe Stunde durch den Ort fuhr und wir warteten, lief im Radio Nena mit „99 Luftballons“…ein etwas surreales Erlebnis: Wie um Himmels willen hat die es in ein ländliches neuseeländisches Radio geschafft?? Wie dem auch sei, als der Mechaniker zurück war, fuhr er den Wagen prompt in die Werkstatt und meinte nett zu uns: „Ihr fahrt nirgendwo mehr hin, also, jedenfalls nicht mit diesem Wagen.“ Super, nach gerade mal zwei Tagen hatte unser gemietetes Gefährt den Geist aufgegeben…

Die Mietgesellschaft war ganz zuvorkommend am Telefon: Kein Problem, sie würden uns einen Ersatzwagen vorbeifahren. Allerdings würde der erst um 10 Uhr am nächsten Tag kommen können. Tja, da konnten wir nicht viel mehr machen, als um im „Fairlie Hotel“ einzuquartieren, durch die Stadt zu schlendern und der Dinge zu harren. Hier ein Foto von unserer eintägigen Bleibe - links im Bild ist unsere Pannenkarre zu sehen:



Und hier ein Foto von James MacKenzie. Dieser hat irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts, clever wie er war, zusammen mit seinem Hund hunderte Schafe eines Bauerns im Umfeld Fairlies gestohlen und es dadurch nicht nur zu Ruhm in den Tagesblättern gebracht, sondern auch in Form dieser Statue in Fairlie verewigt worden – ein Verbrecher, der mit einem Monument verehrt wird…man muss sie nicht wirklich verstehen, die Neuseeländer, oder?



Jedenfalls hatten wir, oder nein, hatte ich diesen Abend ein deftiges Abendessen. Monika entschied sich, gar nix zu essen. Mir völlig unverständlich und im Laufe der nächsten Tage führte das schließlich auch dazu, dass wir nicht mehr zusammen, sondern jeder für sich Essen einkauften. Schließlich habe ich ja einen gesunden Hunger!

So, an dieser Stelle mache ich für heute Schluss – ist ja auch schon recht lang geworden. Die Fortsetzung folgt aber morgen oder Mittwoch!

Adieu aus einem kälter werdenden Wellington! Ich habe seit letzter Woche endlich einen Heizkörper, den ich mittlerweile auch wirklich brauche – morgens sind’s grad mal 13 Grad bei mir im Zimmer…brrr

P.S.: Für alle Neugierigen – die Fotos vom ganzen Trip sind schon im Fotoalbum!