Samstag – Ankunft in Christchurch und Fahrt zum Mt. Cook
Um 4.30 Uhr morgens (!!) hat mein Wecker geklingelt – in aller Herrgottsfrühe also, aber immerhin ging der Flieger um zehn vor Sieben, also mussten Monika und ich gegen 6 Uhr am Flughafen sein. Zum Glück war der Taxifahrer pünktlich um viertel vor Sechs da, doch leider hat Monika gefehlt. Also sind wir ihr schon mal ein wenig entgegen gefahren und wenige Minuten später kam auch schon eine SMS: Sie hat verschlafen und würde in fünf Minuten da sein. Wie sich später herausstellte, hatte sie gar nicht verschlafen, sondern ihr Wecker war einfach nicht angegangen und sie ist durch Zufall um halb Sechs aufgewacht – ein Glück! So sind wir also mit nur ein paar Minuten Verspätung, aber immer noch früh genug für den Flug, losgefahren durch die leergefegten Straßen Wellingtons.
Am Flughafen angekommen haben wir dann schnell eingecheckt – unsere Sitzplätze hatten wir schon per Internet gebucht, also mussten wir nur noch die Taschen abgeben. Der Mann am Schalter hat nur einen kurzen Blick auf mein Ticket geworfen und unser Gepäck angenommen. Ist euch aufgefallen, was gefehlt hat? Ja genau: Er hat überhaupt nicht nach unseren Reisepässen gefragt! Tja, hier vertrauen Sie einem scheinbar, jedenfalls solange man nur im Inland umher fliegt. Auch auf dem Weg zum und ins Flugzeug wurden nur die Tickets, nie aber irgendeine Art der Identifizierung von uns verlangt.
Der Flug nach Christchurch war kurz und leider konnte man nicht viel sehen, da wir bereits nach ein paar Minuten nur noch eine Wolkendecke unter uns hatten, die den Blick auf die Südinsel verdeckte. Nach einer Stunde sind wir also gelandet, hatten ruckzuck unser Gepäck und haben direkt bei der Autovermietung angerufen, die uns dann per Van abgeholt haben – was für ein Service! Übrigens können Freunde und Verwandte an den Flughäfen hier direkt bis zum Gate vordringen, um die Ankommenden zu begrüßen – nicht wie in Deutschland oder gar den USA, wo man wahrscheinlich direkt abgeschossen oder zumindest verhaftet wird, wenn man auch nur versucht, sich als Nicht-Passagier irgendeinem Gate zu nähren. Nicht dass das bei den ganzen Sicherheitskontrollen überhaupt möglich wäre…
Naja, jedenfalls hatten wir nach der Ankunft ruckzuck unseren Mietwagen und los konnte es gehen – meine erste Fahrt, mit dem Steuer auf der rechten Seite und dem Auto auf der linken Seite der Straße. Beim ersten Abbiegen nach rechts bin ich prompt auf der rechten Straßenseite gelandet – der sich rasant frontal von vorne nähernde Wagen und ein Hupen von hinten haben mich aber ruckzuck erinnern lassen, dass man hier ja auch der falschen, also linken Seite fährt. Und nach diesem kurzen Erlebnis war das Fahren auch kein Problem mehr.
In Christchurch selbst waren wir nur ganz kurz, um zu frühstücken. Auf der Suche nach einem Café habe ich diese interessante Statue entdeckt und natürlich sofort fotografisch festgehalten:
Gestärkt ging es dann los auf unsere Reise, 330km südwärts zum Mount Cook Nationalpark. Auf dem Weg erregte ein kleines Schild, dass in einen Schotterweg zeigte, unsere Aufmerksamkeit: "Hanging Rock Bridge" - Zur Brücke der hängenden Felsen also. Abenteuerlustig sind wir dem Schild gefolgt - allerdings wussten wir eine Stunde später, dass die "Hanging Rock Bridge" gar nix mit hängenden Felsen zutun hatte, sondern einfach nur der, wenn auch schön klingende Name, einer stinknormalen Brücke war...tja... Dafür war der erste richtige Stopp es wert, und war am Lake Tekapo mit wunderschöner Aussicht!

Der Mount Cook heißt offiziell seit einiger Zeit Aoraki (sein Maori-Name), aber die Leute nennen ihn aus Gewohnheit trotzdem Mount Cook. Dabei ist Aoraki viel passender, denn das bedeutet soviel wie „Wolkendurchbrecher“ und ein solcher ist er sicher, der höchste Berg Neuseelands! Auf unserer Fahrt konnten wir ihn nach ein paar Stunden dann auch sehen und sind prompt angehalten um Fotos zu machen. Vom Lake Pukaki hat man einen hervorragenden Blick auf Aoraki und wir hatten das Glück, genau beim Sonnenuntergang dort zu sein.

Den Rest des Weges zum Mount Cook Village wurde es dann dunkel – vom Sonnenuntergang bis zur kompletten Finsternis dauert’s vor allem im Süden Neuseelands gar nicht lange. Gegen 19 Uhr waren wir dann am Hostel angekommen, haben schnell etwas zu essen gemacht (Nudeln mit Thunfisch-Tomatensauce) und sind erschöpft sofort eingeschlafen. Zuvor haben wir aber noch unsere zwei Zimmernachbarn kennen gelernt: zwei Engländer, James und…mmh, Name vergessen, aber nett.
Sonntag – Wandern am Mt. Cook
Nach einer erholsamen Nacht und einem gemütlichen Frühstück mit Müsli, Banane und Instant-Kaffee sind wir auf unsere erste Wanderung auf der Südinsel aufgebrochen – bei strahlend blauem Himmel! Hier ein Foto von unserem Hostel:

Unsere erste Tour sollte der „Hooker Glacier Walk“ werden – eine ca. dreistündige Wanderung (hin- und zurück) zum Hooker-Gletscher und dem Hooker-See. Anfangs war es noch ein wenig frisch, aber nach den ersten paar hundert Metern lugte langsam die Sonne hinter den Bergen hervor und mein Pullover wurde um die Hüften gebunden.
In Neuseeland ist das Department of Conservation (kurz: DOC) für die Verwaltung und Pflege der Parks und Wanderwege zuständig. Insgesamt gibt es in ganz Neuseeland sicher dutzende, wenn nicht hunderte ein- bis mehrtägige Wanderungen und jede einzelne ist liebevoll durchdacht und markiert worden. So auch unsere Wanderung zum Hooker-See. Quer durch ein hügeliges Plateau und entlang eines Flusses ging es leicht bergauf. Den Fluss haben wir zweimal überquert, und zwar über so genannte „Swing-Bridges“ – hier ein Foto, dann wird klar, warum die Schwingbrücken genannt werden:

Ja, die schwingen, wenn man drüber läuft, in der Tat auf und ab, aber, wie ihr sehen könnt, sind die dermaßen stabil gebaut, dass es schon eines mittelmäßigen Tornados benötigt, um sich darauf wirklich unsicher zu fühlen. Trotzdem – für Leute mit Höhenangst dürfte es eine etwas schwindelerregende Angelegenheit sein…zum Glück sind’s aber nur zwei Brücken und wirklich lang sind sie ja nicht.
Nach ca. einer Stunde konnten wir schließlich dem Schatten eines kleineren Berges entweichen und endlich den Anblick Aorakis bewundern:
Bei dem Ausblick hat das letzte Stück zum Gletscher natürlich nicht mehr lange gedauert. Vor dem Hooker Gletscher hat sich, wie ich bereits geschrieben habe, der Hookersee gebildet. Die Eisschollen darauf lassen genau den richtigen Eindruck entstehen: Das Wasser ist nämlich in der Tat verdammt kalt! Und auch die Steine drum herum sind, trotz der Sonne, alles andere als warm gewesen. Also haben wir unsere Mittagspause halb sitzend und halb stehend verbracht – und ich bin sowieso die meiste Zeit umher gelaufen, um alles schön zu fotografieren.

In der Bildmitte rechts ist ein Teil des Gletschers zu sehen:
Auf dem Rückweg konnten wir es uns nicht nehmen lassen, noch ein wenig mit dem Wolkenbrecher im Hintergrund zu posieren und Fotos zu machen – hier bin ich!
Die Wanderung zum Hooker-Lake war aber nur eine von zwei Wanderungen, die wir für diesen Tag geplant hatten. Die zweite sollte uns zum „Sealey Tarns“ führen – was das bedeutet weiß ich nicht, aber es war eine kleine Grasfläche, ca. 400m über uns mit einem, so sagt man, schönen Ausblick aufs Tal und den Aoraki. Also haben wir den Weg natürlich in Angriff genommen, was sich allerdings nach der ersten Wanderung als ganz schön anstrengend herausstellte – geschätzte tausend Stufen und Unmengen von Schweißperlen später war ich schließlich oben angekommen, Monika war etwas langsamer, wollte allerdings nicht, dass ich auf sie warte. Auf halber Strecke war ich kurz davor, umzukehren, denn es war schon nachmittags und ich war stark am Zweifeln, ob sich die ganzen Anstrengungen überhaupt lohnen. Diese Aussicht hat mich dann aber doch dazu gebracht, auch das letzte Stück noch zu meistern:
Ganz rechts ist hier übrigens das Städtchen Mount Cook Village zu sehen:

Oben angekommen wurde ich dann prompt von einem Kea – einem neuseeländischen Bergpapagei begrüßt. Super, dachte ich, es hat sich also gelohnt, denn diese Vögel sieht nicht jeder!
„Sealey Tarns“ an sich war wenig spektakulär – wirklich nur eine Grasfläche mit Bank, aber dafür einem tollen Ausblick auf Aoraki und den Hooker-Gletscher darunter:

Und während ich dort oben munter ein Foto nach dem anderen schoss, machte ein ganzer Schwarm Keas mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam und…landete direkt neben der besagten Bank, von welcher aus ich am Fotografieren war!! Keine Frage, dass ich nun noch wilder als zuvor am Fotografieren war. Zwischenzeitlich war ein weiterer Wanderer angekommen, ein Israeli, dessen Namen ich vergessen habe, und der nun mit mir die Keas fotografierte. Fasziniert von den Vögeln wäre ich fast der Neugier eben dieser Viecher zum Opfer gefallen – denn plötzlich warnte mich der Israeli, dass einer der Vögel kurz davor war, an meinem auf dem Boden liegenden Rucksack zu knabbern. Zum Glück konnte ich ihn rechtzeitig von seinem Vorhaben abbringen.
Ja, neugierig sind sie – wie man mir später erzählte, knabbern Keas mit Vorliebe sämtliche Gummiteile von Windschutzscheiben und Scheibenwischern ab. Zum Glück konnte ich also meine Habseligkeiten in Sicherheit bringen! Hier aber nun noch einige Fotos von den schönen, wenn auch zu neugierigen Schnabeltieren:
Gegen halb fünf war es dann schließlich Zeit, dass wir uns auf den Weg nach unten machen, denn die Sonne war schon am Untergehen und es wurde merklich kälter. Also habe ich noch schnell Fotos vom Aoraki gemacht und runter ging es. Übrigens, schaut auch mal ganz genau das Eis auf der Spitze des Berges an – erkennt ihr das Gesicht?
Hier ein letztes - mit dem Mond in der Bildecke!
Zurück im Hostel hielt es uns nach dem Abendessen dann nicht mehr lange auf den Beinen. Allerdings haben wir noch schnell zu einer Apotheke fahren müssen, denn Monika hat sich, wohl auf den kalten Steinen am Hooker-See, eine Blasenentzündung eingefangen und war mächtig besorgt…also lag für den nächsten Morgen ein Besuch beim Arzt in der Nachbarstadt an…
Montag – Pannenfahrt
Der besagte Arzt hatte seine Praxis in Twizel, einer kleinen Ortschaft ca. eine Stunde entfernt vom Hostel und zum Glück halbwegs auf unserem Weg zum nächsten Ziel: dem Arthur’s Pass Nationalpark. Auf dem Weg nach Twizel musste ich für ein letztes Foto vom Aoraki anhalten:

Außerdem waren wir denselben Morgen noch schnell zu einem anderen ganz kurzen Wanderweg gefahren - in nur 20 Minuten hatte man einen schönen Ausblick auf den Tasman-Gletscher, quasi rechts vom Hooker-Gletscher. Der Aoraki lugt ganz oben links im Bild hinter dem Berg hervor:

Um 11.30 Uhr waren wir dann beim Arzt, konnten aber erst einen Termin für Monika um 14 Uhr kriegen. Also ging’s ins wenig spektakuläre Zentrum von Twizel, wo wir Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen konnten und, wie es der Zufall wollte, sogar ein paar Studenten aus Wellington getroffen haben.
Nach ein paar Minuten beim Arzt hatte Monika dann ihr Antibiotikum verschrieben gekriegt, wenig später auch von der Apotheke abgeholt und war zufrieden – zum Glück! Also konnte es weiter gehen Richtung Arthur’s Pass.
Nur eine Stunde später hatten wir gerade die kleine Ortschaft Fairlie durchquert, als der Wagen plötzlich anfing, seltsame Geräusche von sich zu geben: woop, woop, woop. Als die Geräusche anstatt aufzuhören immer lauter wurden, sind wir zurück nach Failie gefahren und haben zum Glück auch eine Werkstatt gefunden. Während einer der zwei Mechaniker den Wagen für eine halbe Stunde durch den Ort fuhr und wir warteten, lief im Radio Nena mit „99 Luftballons“…ein etwas surreales Erlebnis: Wie um Himmels willen hat die es in ein ländliches neuseeländisches Radio geschafft?? Wie dem auch sei, als der Mechaniker zurück war, fuhr er den Wagen prompt in die Werkstatt und meinte nett zu uns: „Ihr fahrt nirgendwo mehr hin, also, jedenfalls nicht mit diesem Wagen.“ Super, nach gerade mal zwei Tagen hatte unser gemietetes Gefährt den Geist aufgegeben…
Die Mietgesellschaft war ganz zuvorkommend am Telefon: Kein Problem, sie würden uns einen Ersatzwagen vorbeifahren. Allerdings würde der erst um 10 Uhr am nächsten Tag kommen können. Tja, da konnten wir nicht viel mehr machen, als um im „Fairlie Hotel“ einzuquartieren, durch die Stadt zu schlendern und der Dinge zu harren. Hier ein Foto von unserer eintägigen Bleibe - links im Bild ist unsere Pannenkarre zu sehen:
Und hier ein Foto von James MacKenzie. Dieser hat irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts, clever wie er war, zusammen mit seinem Hund hunderte Schafe eines Bauerns im Umfeld Fairlies gestohlen und es dadurch nicht nur zu Ruhm in den Tagesblättern gebracht, sondern auch in Form dieser Statue in Fairlie verewigt worden – ein Verbrecher, der mit einem Monument verehrt wird…man muss sie nicht wirklich verstehen, die Neuseeländer, oder?
Jedenfalls hatten wir, oder nein, hatte ich diesen Abend ein deftiges Abendessen. Monika entschied sich, gar nix zu essen. Mir völlig unverständlich und im Laufe der nächsten Tage führte das schließlich auch dazu, dass wir nicht mehr zusammen, sondern jeder für sich Essen einkauften. Schließlich habe ich ja einen gesunden Hunger!
So, an dieser Stelle mache ich für heute Schluss – ist ja auch schon recht lang geworden. Die Fortsetzung folgt aber morgen oder Mittwoch!
Adieu aus einem kälter werdenden Wellington! Ich habe seit letzter Woche endlich einen Heizkörper, den ich mittlerweile auch wirklich brauche – morgens sind’s grad mal 13 Grad bei mir im Zimmer…brrr
P.S.: Für alle Neugierigen – die Fotos vom ganzen Trip sind schon im Fotoalbum!

1 Kommentar:
Hi Dani,
mensch.... mir kommt es vor, als ob Du dort "nur" Urlaub machst!!!! Ich habe schon ganz vielevon Dir gemachte Bilder kopiert und sie verschönern meinen Desktop! Wirklich tolle Photos.
Wir haben hier endlich tolle Temeraturen... momentan tagüber so ca. 25 Grad. Bald macht hier in Ulzburg der Beckersberg see auf und die Kids können endlich zum schwimmen..... ich hoffe es wird ein schöner Sommer.....
Ganz viele liebe Grüße
Christin
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